Hanf und Mode im frühen Japan

Das Museum in Barcelona beherbergt seit kurzem einen neuen Bewohner aus dem Fernen Osten: eine japanische Samurai-Puppe aus dem frühen 19. Jahrhundert, bekleidet mit einem - Sie lesen richtig - Hanfkostüm.

Samurai

Im feudalen Japan der Vergangenheit stand der Samurai - wörtlich übersetzt: der Dienende - im Waffendienst seines Feudalherren. Die Samurai gehörten ebenfalls zur Elite. Sie lebten nach einem strengen Ehrenkodex, waren gebildet und gaben in der Gesellschaft den Ton an. Neben der Kriegskunst pflegten sie auch die schönen Künste; unter anderem verbreiteten sie die japanische Blumenkunst des Ikebana.

Hanfanbau und Kleidung in Japan

Damals fand in Japan ein reger Hanfanbau statt. Die daimyo - die Kriegsherren - beauftragten ihre Lehnsleute mit dem Anbau dieser Pflanze. Mit dem Hanf, aus dessen Fasern man vornehme Kleidung herstellte, ließ sich nämlich ein guter Preis in der Stadt erzielen. Hanf war ein Luxusprodukt, und nur die oberen Zehntausend konnten sich die aus Hanffasern verfertigte Kleidung leisten. Kein Wunder, dass dieser Samurai so stolz auf sein Kostüm mit der ausladenden Schulterpartie ist.

Ein ausgezeichneter Regenschutz

Er trägt einen kamishimo, ein Bekleidungsstück, das in der Edo-Zeit (19. Jh.) modern war. Es besteht aus einem langen Mantel mit weiter Hose und wurde vom Samurai, über seiner seidenen Kleidung und der Kriegsausrüstung, bei Reisen oder schlechtem Wetter getragen. Der Mantel war also nicht nur ein Statussymbol, sondern diente zugleich als ausgezeichneter Regenschutz. Auch zur Imprägnierung hatten die klugen Japaner sich etwas einfallen lassen: Ein Tauchbad im Saft der Kakifrucht machte den Stoff wasserdicht.

Bleivergiftung

Unsere Samurai-Puppe verharrt mit konzentriertem Blick in einer meditativen - mokuso - Haltung. Innerlich bereitet sie sich auf die intensive Ausbildung in der japanischen Kriegskunst vor.

Ihr Gesicht und ihre Hände bestehen aus gofun, einem Material aus feingemahlenen Austernschalen, das speziell zur Anfertigung der traditionellen Puppengesichter entwickelt wurde. Der bleiche Teint erinnert an die weiß gepuderten Gesichter japanischer Frauen. Übrigens kein sehr gesunder Brauch: Die durch die häufige Verwendung dieses Make-up verursachte Bleivergiftung führte zu einer großen Anzahl schwer geschädigter Samurai-Kinder. Möglicherweise war dies einer der Hauptgründe für den Untergang der Samurai im 19. Jahrhundert.

Japanische Samurai-Puppe im Hanfkostüm in unserer Sammlung

Unsere Puppe repräsentiert jedenfalls noch die glorreiche Samurai-Periode. Vielleicht gehörte sie zu einer der vielen Zeremonien oder zur Wohnzimmerdekoration einer wohlhabenden Familie, bevor sie als Souvenir nach Europa mitreiste und ihren Platz im nicht weniger standesgemäßen Carrer Ample in Barcelona einnahm.

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