Hanf aus Russland

Diese Sammelkarte der New Yorker Kaffeebrennerei Arbuckle’s Coffee aus 1889 gehört zu einer Serie von fünfzig Karten, auf denen besondere Kennzeichen von verschiedenen Ländern der Welt abgebildet sind. Diese Sammelkarte des Russischen Kaiserreiches zeigt nicht nur den Winterpalast (die Hermitage) des Zaren in Sankt Petersburg, sondern auch den Anbau von Hanf und Flachs.

Der größte Hanfproduzent der Welt

Bereits seit dem achtzehnten Jahrhundert war Russland der größte Hanfproduzent der Welt. Um das Jahr 1740 produzierte das Land immerhin achtzig Prozent des gesamten Hanfes, der in Europa für Segel, Seile, Netze usw. gebraucht wurde. Hanf von ausgezeichneter Qualität war für das Land Exportprodukt Nummer eins, wichtiger als Pelz, Holz und Eisen. In der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts importierte Großbritannien neunzig Prozent seines Hanfbedarfes aus Russland und war die britische Schifffahrt praktisch vollkommen von russischem Hanf abhängig. Genug Gründe für Napoleon, um einen Krieg um den Hanf zu beginnen.

Ein Krieg um den Hanf

1807 unterzeichneten Napoleon und Zar Alexander I. den Friedensvertrag von Tilsit. Eine der Friedensbedingungen war, dass Russland keinen Handel mehr mit Großbritannien, dem Erzfeind Napoleons, treiben durfte. Der französische Kaiser hoffte, dass ein Mangel an russischem Hanf die britische Flotte (und Wirtschaft) schwächen würde. 1811 nahm Russland jedoch den Handel mit Großbritannien wieder auf. Napoleon protestierte, fand aber beim Zaren kein Gehör. Daraufhin sammelte Napoleon ein Heer von 680.000 Mann und begann am 24. Juni 1812 seinen Feldzug nach Moskau, um unter anderem die Kontrolle über die russische Hanfproduktion zu erzwingen. Der Feldzug wurde eine regelrechte Katastrophe und bedeutete für Napoleon den Anfang vom Ende.

Nach der russischen Revolution

Auch nach der russischen Revolution von 1917 blieb das Land der größte Hanfproduzent der Welt. Die wichtigsten Produktionsgebiete lagen in der heutigen Ukraine und in Weißrussland. 1931 wurde in Glukhov in der Ukraine ein Spezialinstitut für die Entwicklung neuer Hanfgewächse gegründet. In den siebziger Jahren wurde dort mit Erfolg Hanf von besserer Faserqualität, mit einem höheren Ertrag pro Hektar und einem niedrigeren THC-Gehalt entwickelt.

2,5 Millionen Hektar wilder Hanf

Nach dem Zerfall der Sowjetunion sank der Hanfanbau beträchtlich. In Bolkhov steht eine der letzten übrig gebliebenen Hanffabriken von Russland; früher waren es sechzehn. Schätzungen zufolge sollen etwa 2,5 Millionen Hektar wilder Hanf im fernen Osten von Russland und um das Schwarze Meer wachsen.

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Hanf für industrielle Zwecke oder schlicht und einfach Hanf: So werden normalerweise die fasererzeugenden Cannabissorten bezeichnet, die weniger als 0.2% THC enthalten und daher beim Rauchen oder bei der Einnahme keinen psychotropen Effekt haben – es sei denn, man kann mehrere Tonnen an Buds glei