Hanf in Japan

1980 wurde Paul McCartney auf dem Flughafen von Tokio verhaftet, weil in seinem Gepäck ein Päckchen Haschisch gefunden worden war. Nachdem er neun Nächte in einer Zelle verbracht hatte, wurde der Ex-Beatle aus dem Land verwiesen. Eine geplante Tournee durch Japan wurde abgesagt und Paul McCartney durfte in den folgenden sieben Jahren das Land der aufgehenden Sonne nicht mehr betreten. Japan führt noch immer eine sehr strenge Anti-Cannabispolitik. Für den Besitz eines einzigen Joints kann man schon für fünf Jahre hinter Gitter kommen.  

Die Samurai

Das war aber nicht immer so. Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert förderten die Daimyo, die Kriegsfürsten im feudalen Japan, bewusst den Anbau von Cannabis unter ihren Lehnsmännern. Sie konnten die Pflanze nämlich zu hohen Preisen in der Stadt verkaufen. Dort wurden die Hanffasern für die Anfertigung von eleganter Kleidung verwendet. Auch die Waffenrüstung der Samurai (wörtlich: „er, der dient“) wurde zum Teil aus Hanf hergestellt.

Ein wichtiger Bestandteil der Waffenrüstung eines Samurais war der eiserne Helm, ein sogenannter Kabuto, der innen mit von Seide bekleidetem Hanf ausgestattet war. Auch Schulter-, Ärmel- und Schenkelschutz der japanischen Krieger bestanden aus Hanf in Kombination  mit Seide und Hirschleder. Mit Hanfschnüren wurden Eisenplatten aufgenäht. Zu erwähnen wäre noch, dass der Hanf mit dem Saft von Kakifrüchten durchtränkt wurde, um ihn wasserdicht zu machen. Diese Waffenrüstung, die in unserem Museum in Barcelona zu sehen ist, stammt sehr wahrscheinlich aus der letzten Phase der Edo-Zeit im neunzehnten Jahrhundert.

Hanfanbau und das moderne Japan

Mit dem Aufkommen der Baumwolle, dem Tod des letzten echten Samurais (Takamori Saigo) 1877 und dem allgemeinen Cannabisverbot 1948 während der amerikanischen Besatzung verschwand der Hanfanbau in Japan vollkommen. Bis im Jahre 1989 Kaiser Hirohito starb und sein Sohn Akihito in einer besonderen Zeremonie gekrönt wurde. Dabei musste er ein traditionelles Gewand aus Hanf tragen. Einige Bauern aus der Region Shikoku schenkten dem neuen Kaiser damals illegal gepflanzten Hanf, um das Gewand anfertigen zu lassen. Als Dank erhielten sie daraufhin eine Lizenz, um Hanf in beschränkter Menge anzubauen, der für die Herstellung von Seilen, Papier und Kleidung für die kaiserliche Familie bestimmt war.

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Hanf für industrielle Zwecke oder schlicht und einfach Hanf: So werden normalerweise die fasererzeugenden Cannabissorten bezeichnet, die weniger als 0.3% THC enthalten und daher beim Rauchen oder bei der Einnahme keinen psychotropen Effekt haben – es sei denn, man kann mehrere Tonnen an Buds glei

Viele Ausstellungsstücke in unseren Museen sind dem kulturellen Aspekt der Verwendung von Cannabis gewidmet. Pfeifen und Rauchgeräte aus aller Welt zeigen, wie in verschiedenen Kulturen Marihuana und Haschisch konsumiert wurde und heute noch wird.